Ganz unten: Tag 1

— 24. Oktober 2006

Bei uns am Penny-Markt hing kürzlich ein Plakat. Oben stand groß “Aushilfen gesucht!”. Darunter etwas von drei Arbeitstagen, dass der Supermarkt leer geräumt werden müsse und eine Telefonnummer. Ich brauche das Geld nicht wirklich und wenn ich es bräuchte, würde ich es mir anders verdienen, aber ich habe da angerufen. Einfach aus Interesse, wie das ist. Heute ist mein erster Arbeitstag.

Treffpunkt ist der Aufenthaltsraum für die Supermarktangestellten. An den Wänden hängen mit Rechtschreibfehlern gespickte Hinweise zur Benutzung der Kaffeemaschine sowie einige lustig gemeinte Sprüche. Auf dem Tisch liegt die Bild-Zeitung und die Spüle steht voll mit schmutzigen Kaffeetassen. Etwa sechs Interessenten sowie ein Einweiser mit verfaulten Zähnen zwängen sich in den winzigen Raum und teilen sich einen Aschenbecher, der aus den Abbildern einer nackten Frau geformt ist. Ich bin der einzige Nichtraucher. Und der einzige mit einem vernünftigen Schulabschluss – wahrscheinlich. Nachdem der Papierkram erledigt ist, – wir bekommen 5,25€ pro Stunde – geht es auch schon los.

Die Aufgabe ist, die Waren aus den Regalen möglichst platzsparend auf Euro-Paletten umzuverteilen, die Paletten mit Folie zu umwickeln und anschließend in ein extra im Hof aufgebautes Zelt zu befördern. Es ist keine anstrengende, aber eine stumpfsinnige Arbeit. Wer macht so etwas? Ich möchte fast sagen dumme Menschen. Zumindest aber faule Menschen. Alle meine Kollegen arbeiten regelmäßig in dieser Funktion. Wenn die Firma jemanden benötigt, werden sie angerufen. Ist ihr Geld knapp, sagen sie zu. Den Rest ihres jämmerlichen Daseins verbringen sie vor dem TV, im Bett oder wo auch immer sich ihnen die Gelegenheit bietet das Arschgeweih oder das Tribal-Tattoo auf dem Streichholzärmchen zur Schau zu tragen. Asi-Stempel ist nicht das passende Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt. “Legt ma’n Zacken zu hier, ich will heute noch Mittermeier kucken”, gröhlt einer und eine Frau, etwa doppelt so alt wie ich, hält mir ihren Finger vor die Nase und sagt: “Riech ma’, da is’ was ausgelaufen.”

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