Ganz unten: Tag 3

— 29. Oktober 2006

“Ganz unten” ist eine Fortsetzungsgeschichte über meine Arbeit in einem Supermarkt. Zum besseren Verständnis sollte man die beiden vorhergehenden Teile gelesen haben:
Ganz unten: Tag 1
Ganz unten: Tag 2

Die Geschichte von meinem dritten Arbeitstag ist schnell erzählt. “Das Gehirn” bildet sich irrtümlich ein ich würde ihn mögen, und weicht mir deshalb nicht mehr von der Seite. Da er sich aber nun mal nach wie vor für das Gehirn der Operation hält, wird meine Arbeit dadurch nicht weniger. Einmal räume ich Erbsendosen in ein Regal. Als es bis obenhin voll ist, steht plötzlich das Gehirn vor mir und hat in jeder Hand eine Dose Erbsen. Obwohl er es eigentlich sehen müsste, gebe ich ihm zu verstehen, dass im Regal kein Platz mehr sei. Er entgegnet mir trocken: “Zwei Dosen machen das Fett auch nicht mehr weg” und starrt im Anschluss minutenlang (so kam es mir vor) auf das Regal, in der Hoffnung eine Lösung für sein selbstgeschaffenes Problem zu finden. Irgendwann gibt er auf.

Da Didi heute scheinbar Urlaub hat (oder gefeuert wurde), muss ich mir ein neues Idol suchen. Die Wahl fällt auf den türkischen Vorarbeiter von gestern – er heißt übrigens Ali Bali. Er ist übergewichtig und ich schätze ihn auf Ende dreißig. Ali ist direkt am Eingang des Markts mit etwas beschäftigt. Verirrt sich irrtümlich ein Kunde in den geschlossenen Supermarkt, findet in seinem Kopf eine Art Ausschlussverfahren statt. Ist der Kunde nicht weiblich und nicht gleichzeitig zwischen 14 und 60 Jahre alt, sagt er einfach nur: “Is’ geschlossen, gehen sie wieder.” Ist er es jedoch, sagt Ali: “Is’ geschlossen, aber sie könne bleibe, schöne Frau.” Dabei lacht er dämlich. Jetzt, wo Didi weg ist, hat Ali übrigens einen neuen Lakai. Sein Name ist Wladimir. Ich weiß nicht, ob er wirklich Wladimir heißt, oder ob Ali Bali ihn einfach nur so nennt, weil er denkt, das wäre ein guter Name für einen Russen. Aber das ist auch nicht so wichtig. Jedenfalls kontrolliert Wladimir die Steckdosen. Als ihm einmal eine Palette Wasserflaschen die Sicht versperrt, stemmt er sich, statt einen Hubwagen zu holen, mit aller Kraft dagegen und schafft es tatsächlich sie wegzuschieben. Da sagt der Türke zu mir: “Dieser Mann bewegt 600kg mit seinen Armen. Was meinst du, was der alles mit seinem Schwanz macht?”

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