Es war ein normaler Freitagmorgen

— 28. Mai 2007

Natürlich hat die kostenlose Sonntagszeitung “PrimaSonntag” wesentlich mehr zu bieten als nur einen unterhaltsamen Kleinanzeigenteil mit merkwürdigen Inserenten. Zum Beispiel aufrüttelnde Texte zu durchaus heiklen Themen, Artikel die Missstände anprangern sollen und die die Sinne des Lesers für die Gefahren des Alltags schärfen. So erschien diese Woche ein Beitrag unter der Überschrift:

Bussard greift Jogger an!

Klingt spannend – war es auch:

Kleinwallstadt (BG): Es war ein normaler Freitagmorgen: Marathonläufer Thomas K. (Name der Redaktion bekannt) joggte wie üblich auf einem Feldweg zwischen Kleinwallstadt und Dornau. Auf freier Fläche am Waldrand spürte er plötzlich einen Luftzug: Ein stattlicher Mäusebussard war mit wenigen Zentimetern Abstand über seinen Kopf hinweggezischt.

Die einzig vernünftige Vorgehensweise in einer derartigen Situation ist in totale Panik auszubrechen. Aber was macht unser Bruder Leichtfuß?

Irrtum!

Und muss deshalb mit den Konsequenzen leben:

Der Vogel [..] hielt kurz inne – und schoss im Sturzflug auf den ahnungslosen Jogger, griff ihn von hinten an. “Er hat mir dabei alle Krallen über den Hinterkopf gezogen, mir lief Blut übers Gesicht und in die Augen”, erinnert sich Thomas K. [..] Der Bussard gab nicht auf, drehte im Flug, startete einen weiteren Angriff. Der Jogger rettete sich in den Wald, verständigte per Handy den Notruf. [..] “Ich konnte den Wald nicht mehr verlassen, weil der Vogel draußen auf mich wartete”, erzählt das Vogel-Opfer.

“Wie ein Horrorfilm” findet die “PrimaSonntag”, und fügt an: “Kein Einzelfall”! Deshalb gibt sie, in Wahrnehmung ihrer journalistischen Pflichten, eine Warnung heraus, deren Beherzigung womöglich noch so manchen völlig hilflosen Jogger vor den messerscharfen Klauen mordlustiger Riesenvögel retten wird.

Also bitte, nehmen Sie dieses ernste Thema nicht auf die leichte Schulter. Es gilt:

Vorsicht vor gefiederten Angreifern im Frühsommer

···

Familie K. (feat. verbalterrorismus.de)

— 6. Mai 2007

Familie K - Püppi

Nachdem sich die gesellschaftskritischen Einwürfe, mit denen eine gewisse Familie K. wöchentlich den Kleinanzeigenteil einer Aschaffenburger Lokalzeitung bereichert (ich berichtete), in letzter Zeit immer öfter wiederholten und auch darüber hinaus zunehmend ideenloser wirkten, habe ich mich unlängst entschlossen selbst einmal die Initiative zu ergreifen und eine Anzeige unter diesem Pseudonym zu schalten.

Der Text entstammt dem richtungsweisenden Mixtape “Rapdeutschlandkettensägenmassaker” “Böhse Enkelz” der von mir verehrten Berliner Rapformation “K.I.Z.” und stellt meiner Meinung nach die (beinahe) logische Weiterführung des von Familie K. vermittelten konservativen Familienbilds dar. Dennoch stellte ich mir lange die Frage, wie viel Humorverständnis man bei der Kleinanzeigenabteilung einer derartigen Zeitung überhaupt erwarten könne und ob man meine Anzeige deshalb vielleicht gar nicht erst abdrucken würde.

Doch tatsächlich: Heute, nach einigen Tagen des bangen Wartens, erschien meine Kleinanzeige, lediglich durch den unbeholfenen Hilferuf eines verzweifelten Autoschlüsselverlierers von den Auswüchsen des Originals getrennt, unter der Rubrik “gesucht & gefunden” und läutet somit – wer weiß – vielleicht ein gänzliches neues Kapitel ein – ein gänzlich neues Kapitel in der nicht enden wollenden Geschichte der merkwürdigen Familie K.

···