Neuer „Prima-Sonntag“-Service: Bankdaten der Kleinanzeigenkunden im Internet abrufbar

— 10. Dezember 2007

Interessiert es Sie eigentlich, wer genau dieser „Er, 30 schlank, verh.“ ist, der eine „nette Sie“ für „gelegentliche erotische Treffen“ sucht? Nein!? Nun, vermutlich aber seine Frau. Dies würde zumindest erklären, wieso ein gewisser Ralf H. sich für eine Chiffre-Anzeige entschied, als er am 22. Januar 2007 das Onlineformular für Kleinanzeigen auf funkhaus-aschaffenburg.de ausfüllte. Augenscheinlich ging er davon aus, dass man seine persönlichen Daten vertraulich behandeln würde.

Ähnlich arglos schien „loewe.47“, der eine „Stammtischgründung für SM Liebhaber in AB“ anregte und zu dessen Fetisch es wahrscheinlich nicht gehört, dass seine Arbeitskollegen davon erfahren. Doch weil es nur zu billig wäre, an dieser Stelle ein „Best-Of“ skurriler Randexistenzen zu präsentieren, die ihre Freizeitinteressen über eine Kleinanzeige in den wöchentlich erscheinenden Aschaffenburger Anzeigeblättern „Prima-Sonntag“ und „Stadtzeitung“ mit der Welt zu teilen suchen, möchte ich gleich zur Sache kommen:

Die Namen, Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen all dieser Menschen findet man frei einsehbar im Internet, sofern man ein Mindestmaß an technischem Verständnis mitbringt und eine Suchmaschine bedienen kann. Absolut jeder, der seit Januar 2007 per Onlineformular eine Keinanzeige in den beiden erwähnten Zeitungen schaltete, ist davon betroffen. Die Anzahl der Einträge seit diesem Zeitpunkt ist vierstellig.

Doch damit nicht genug, denn auch eine große Zahl an über ein Kontaktformular verschickter Nachrichten kann eingesehen werden. So bietet zum Beispiel ein Angestellter eines einschlägig bekannten Großkonzerns sein Insiderwissen in Sachen Diskriminierung von Gewerkschaftsmitgliedern und Betriebsräten an. Vermutlich kann er gut darauf verzichten, dass sein Arbeitgeber davon erfährt.

Und auch wenn es mir eigentlich zuwider ist, derart verabscheuenswerte Schundblätter in ihrem Tagewerk zu unterstützen, ja: in dieser Oase der Verblödung einen Brunnen zu graben, auf dass sie auch weiterhin wachse und gedeihe, so möchte ich doch eins klar stellen. Es geht mir nicht darum die Verursacher zu schelten, sondern den Betroffenen zu helfen. Auch abseits dieses speziellen Falles bin ich der Meinung, dass Datenschutz ein Thema ist, dem die meisten Leute viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

Deshalb folgender Plan: Zeitgleich zum Erscheinen dieses Eintrags verlässt eine E-Mail meinen virtuellen Postausgang, die auf die Sicherheitslücke hinweist. Da die Lösung des Problems simpler kaum sein könnte, ist es wenige Minuten später aus der Welt geschafft. Lediglich dieser Text wird verbleiben und die Menschen fortan mahnen, mit ihren Daten und den Daten Dritter verantwortungsbewusster umzugehen. Somit hätten alle etwas gelernt – außer mir natürlich: Ich bleibe auch weiterhin das selbstgerechte Arschloch, das gerne mit dem Finger auf andere Leute zeigt.

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