Im Rückwärtsgang und rückwärtsgewandt
— 2. August 2008„CDU überholt SPD als mitgliederstärkste Partei“ (Spiegel Online), „CDU überholt SPD bei Mitgliedern“ (Focus Online), „CDU überholt SPD erstmals bei Mitgliedern“ (sueddeutsche.de), „CDU überholt SPD erstmals bei Mitgliederzahl“ (Welt Online), „CDU zieht an SPD vorbei“ (Financial Times Deutschland). Das Presseecho ist gewohnt eintönig, gleichsam unangebracht die geisttötende Schönfärberei. Tatsache ist nämlich, dass die Mitgliederzahl sowohl der SPD als auch der CDU seit Jahren durchgehend fällt und ein Ende dieser Entwicklung nicht abzusehen ist. Die CDU „überholt“ also die SPD, indem sie sich weniger langsam in die falsche Richtung bewegt.

Herzlichen Glückwunsch, liebe CDU, zu diesem großartigen Erfolg.
Dem kritischen Beobachter wird jedoch auffallen, dass die oben zitierten Überschriften den Sachverhalt allesamt auf die gleiche Weise völlig verdreht darstellen. Unter „überholen“ versteht man gemeinhin, „mit größerer Geschwindigkeit an jemandem oder etwas [vorbeizuziehen], das sich in die gleiche Richtung bewegt“ (Wiktionary). Betrachtet man das obige Diagramm unter diesem Gesichtspunkt, stellt man fest, dass viel mehr die SPD die CDU überholt hat und nicht umgekehrt – wenn auch auf dem Weg in Richtung Abgrund. Dort aber warten bereits die führenden Vertreter der deutschen Medienlandschaft, Vorhut des Versagertums und Totengräber der Solidarität.
Bzgl. d. Diagramms vgl. http://www.polwiss.fu-berlin.de/people/
niedermayer/docs/AHOSZ13.pdf.
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2. August 2008
Es ist schade, dass es so wenige mündige Bürger gibt, die so etwas hinterfragen. Ich glaube im Moment gibt es diese Schönfärberei in allen Bereichen siehe Arbeitslosenzahlen etc.
Hoffentlich gibt es noch viele kritische Köpfe die in der Lage sind diese unehrliche Politik zu ändern.
5. August 2008
ha ich weiß was hier noch fehlt: du solltest irgendwie die letzten kommentare anzeigen lassen, damit andere – also ich – wissen ob hier was interessantes passiert ist. Man könnte natürlich auch dieses neumodische “feed” zeugs vorschlagen, aber da ich davon nichts verstehe und es auch nicht nutzen werde bin ich dagegen
gruß
18. März 2009
Erinnert mich frapant an die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen. Da freut sich die katholische Kirche auch drüber, dass ihnen die Mitglieder weniger schnell davonlaufen.
Wachsen tun in beiden Bereichen nur die radikalen Splittergruppen, wie es aussieht.
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