Seminararbeit: Wie gerecht ist das Entschädigungsverfahren in Neuseeland?

— 30. November 2008

„He iwi tahi tatou.” – Wir sind jetzt ein Volk! Mit diesen Worten verabschiedete im Juni 1840 William Hobson, designierter Generalgouverneur der wenige Minuten zuvor gegründeten Kolonie Neuseeland, die Unterzeichner des Vertrags von Waitangi. Zahlreiche Maori-Häuptlinge der Nordinsel waren zusammengekommen und unterschrieben diesen als Gründungsdokument des Landes geltenden Vertrag, der die Abtretung verschiedener Hoheitsrechte an die Britische Krone vorsah und den Maori im Gegenzug die Anerkennung ihrer Besitzansprüche auf Land und Ressourcen sowie den Status britischer Bürger versprach.

Der Vertrag von Waitangi gilt als in der Geschichte des europäischen Kolonialismus bemerkenswert, weil er Ureinwohner und Siedler zumindest formell als gleichwertige Vertragspartner behandelte. Doch die damals gemachten Versprechungen gerieten bald in Vergessenheit: Von den 26.892.000ha Land, die sich 1840 im Besitz der Maori befanden, blieben 1939 nur noch 1.631.706ha. Bis in die heutige Zeit hinein erfahren Maori außerdem eine starke soziokulturelle Benachteiligung. Ihr Schicksal unterscheidet sich trotz des damals getroffenen Abkommens nicht wesentlich von dem der Ureinwohner in anderen Ländern.

Erst gegen Mitte des 20. Jahrhunderts erinnerte sich Neuseeland des Vertrags von Waitangi. Nicht so sehr durch eine bewusste Aufarbeitung des kolonialen Erbes, sondern viel mehr im Zuge der Entwicklung einer eigenständigen nationalen Identität fand der Vertrag zunehmende Beachtung und eine öffentliche Diskussion über die sich aus ihm ableitenden Rechte und Pflichten seitens der Vertragspartner entstand. Auch Forderungen nach Entschädigung und Wiedergutmachung wurden laut. Weil diese Stimmen nicht verstummten, wurde 1975 schließlich eine Kommission ins Leben gerufen, die sich mit den Ansprüchen der Maori beschäftigen sollte: das Waitangi Tribunal. Seither bemüht sich die neuseeländische Gesellschaft also um den Ausgleich all jener Ungerechtigkeiten, auf die sie und ihr Wohlstand sich einst gründeten.

Doch wie gerecht kann ein solches Entschädigungsverfahren überhaupt ablaufen? Das vorliegende Essay versucht diese Frage zu beantworten. Benotet wurde es mit 1,0.

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