Ein paar Worte zu Peter Moosleitners Magazin

— 15. Januar 2009

Das „P.M.“-Magazin ist eine monatlich erscheinende, populärwissenschaftliche Zeitschrift des Verlagshauses „Gruner + Jahr“, deren Auflage innerhalb der letzten zehn Jahre von 460.664 verkauften Exemplaren im Oktober 1998 auf 359.605 im Oktober 2008 gesunken ist (Quelle: IVW). Wieso das noch immer 359.605 Exemplare zu viel sind, beweist die Redaktion Monat für Monat selbst: Inmitten einer Umschau einfallslosesten Esoterik-Unfugs werden stets auf den Tag genau die Verschwörungstheorien von vorgestern diskutiert oder wahlweise der Leser in einigen wenigen tatsächlich ernst gemeinten Artikeln unermüdlich und in bester Schulmeister-Manier mit tausendmal gehörten Trivialitäten zu Tode gelangweilt. Geradezu vernünftig wirkt in diesem Zusammenhang der Ende der Neunziger gefasste Entschluss, aus dem ursprünglichen Titel „Peter Moosleitners interessantes Magazin“ das wertende Adjektiv ersatzlos zu streichen. So wird der grenzdebil lächelnde Buddha auf dem Titelbild der aktuellen Ausgabe zur Symbolfigur für das souveräne Verschlafen von Trends, für die ewiggestrige Geistlosigkeit, zumal für die latente Verachtung alles Wissenschaftlichen und mithin lautet die Überschrift der Titelgeschichte doch tatsächlich: „Der Buddha in jedem von uns. Wie die Macht des Denkens unser Gehirn verändert.“ Inwieweit derartige Umbauarbeiten im Oberstübchen Auswirkungen auf den geregelten Betriebsablauf haben können, möchte man die Redaktion des „P.M.“-Magazins bei nächster Gelegenheit fragen, einen zerknitterten Zettel aus der Hosentasche ziehen und einige weitere Themen des Januarhefts zum Besten geben, die man sich aufgeschrieben hat, aus Angst davor, ob der Absurdität des Zitierten an der eigenen Erinnerung zweifeln zu müssen: „Wieso mögen Mäuse kein Cola Light?“ oder „‚Ich war ein Paket.‘ – Wie ein P.M.-Reporter sich selbst verschickte“ und: „Müssen Aliens schlafen?“ Beziehungsweise: Müssen sich Menschen so einen Mist gefallen lassen? Nein, das müssen sie nicht. Denn sie können ja etwas anderes, etwas Besseres, Intelligenteres und Interessanteres lesen, wenn ihnen „Peter Moosleitners Magazin“ nicht mehr gefällt. Damit sie aber gar nicht erst auf diese Idee kommen, beschwört die Redaktion auf dem aktuellen Titelblatt vorsorglich noch eine andere Sache, als nur die bereits erwähnte speckköpfige Götzenfigur, etwas Abstrakteres, das sie in bester „Bild“-Zeitungs-Diktion als „Web-Gefahr“ bezeichnet. Auf Deutsch: „Kann das Internet die Demokratie gefährden?“

„Die Risiken sind größer, als wir wahrhaben wollten“, belehrt uns ab Seite 46 die für den dazugehörigen Artikel verantwortlich zeichnende Petra F. und beweist in der Folge, dass man offensichtlich weder die Demokratie noch das Internet sonderlich gut verstanden haben muss, um im „P.M.“-Magazin über die Demokratie und das Internet schreiben zu dürfen. Die erschreckende Souveränität, mit der sie den Leser in das Nebelreich ihrer Unkenntnis entführt, resultiert im offenkundigen Drang, ihm trotz allem die Welt erklären zu wollen: „In einer Demokratie geht alle Staatsgewalt vom Volk aus“, „für die Wahl der Volksvertreter gibt es klare Kriterien“ und „[e]rst durch das Web 2.0 kann sich der Bürger selbst am politischen Diskurs beteiligen.“ Als sei der Bundespräsident kein Bürger. Als seien der bayerische Staatsminister für Landwirtschaft, der Bürgermeister von Gräfenroda und das Mitglied der Bürgerinitiative „Umgehungsstraße für Petershausen“ keine Bürger, sondern viel mehr Petra F. ein Untertan und die aufgezählten Personen Teil einer der Gesellschaft entrückten politischen Kaste, an deren Existenz die bundesdeutsche Journaille seit jeher glaubt, wie kleine Jungen an das Monster unter ihrem Bett. Natürlich muss eine Person, die mit einem derartigen Obrigkeitsdenken gesegnet ist, beinahe zwangsläufig auf die Idee kommen, die Beteiligung des Urnenpöbels am politischen Diskurs gefährde „die Demokratie“. Einzig vor diesem Hintergrund spricht Petra F. vom „naiven Glauben an das basisdemokratische Potenzial des Web“. Die Absurdität dieser Aussage scheint sie dabei wohl deshalb nicht weiter zu kümmern, weil ein völlig anderes Problem ihre gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt: Wie funktioniert eigentlich „das Internet“? Erneut ist Petra F. sich nicht zu schade, dem Leser als Selbstverständlichkeit zu verkaufen, was sie selbst nicht im Entferntesten verstanden hat: „Wenn ein Nutzer die Seite anklickt, fängt er sich damit ein sogenanntes ,Cookie’ ein, das auch über das sonstige Surfverhalten Auskunft gibt.“ Bereits ein kurzer Blick auf Wikipedia entlarvt die geballte Inkompetenz, die in diesem Satz steckt.

Schlussendlich möchte ich aber keine Sekunde länger auf Petra F. herumtrampeln, als nötig wäre, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen. Denn wenn das World Wide Web tatsächlich derart niveaulos und verkommen ist, wie uns die Printmedien hier und da glauben machen, dann muss man sich fragen, warum es das deutsche Zeitschriften- und Zeitungswesen dennoch in eine so tiefe Krise stürzen konnte. Und es steht die Frage im Raum, wieso eine vermeintlich erfahrene Redaktion eine junge Journalistin wie Petra F. über ein derart kompliziertes Thema schreiben ließ, über „[p]olitische Kommunikation“, über „unser Vertrauen in die Demokratie“ und über ein „Kollektiv von Amateuren, das [im Internet] mit gefährlichem Halbwissen die öffentliche Meinung beeinflusst“. Wer war sich da zu fein, ihr unter die Arme zu greifen? Oder wer wusste es gar selbst nicht besser? Ein Kollektiv von vermeintlichen Professionellen etwa, das mit gefährlichem Halbwissen die öffentliche Meinung…
…okay okay, die Pointe spar’ ich mir für schlechte Zeiten.

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